Projektbericht 2019

Zweites Projektjahr


Hauptziel des Projektes ist nach wie vor die Verbesserung der Einkommenslage durch selbständige Erwerbstätigkeit. Das Projekt konzentriert sich auf drei koordinierte Teilziele:


  1. Förderung junger Erwachsener mit geringer Schulbildung, die als Selbständige in einer handwerklichen oder landwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit aktiv werden möchten.

  2. Technische Ausbildung für bestehende Kleinbauern und -handwerker vor allem im Gemüseanbau (Boden- und Wasserkonservierung, Biopestizide, Kompostierung), in der Tierhaltung sowie der Verarbeitung von Rohstoffen zu Honig und Ölen.

  3. Entwicklung und Begleitung von Spar- und Kreditgruppen, sog. Mara Panga Gruppen, in Zusammenarbeit mit den lokalen Agenturen der Sparkasse Caisses Populaire du Burkina.

Aktuell bestehen 435 Mara Panga-Spar- und Kreditgruppen mit über 10'000 Mitgliedern, überwiegend Frauen.

Schwerpunkt im Jahr 2019 war die Sicherung der Qualität, trotz der schwierigen Sicherheits- und Wirtschaftslage in Burkina Faso.

Wegen der reduzierten Fähigkeit der Spar- und Kreditgruppen zur Krediterteilung hat sich die Hirschmann-Stiftung entschieden, mit einem Überbrückungsfonds die Lücke in der schwierigen Wirtschaftslage in beschränktem Umfang zu füllen, auch um die lokalen Organisation zu motivieren und zu stärken.

So wurden auf diesem Weg in den drei Gemeinden Koudougou, Sabou und Réo Sachkredite an 27 Kleinunternehmer vergeben. Über 320 Kleinunternehmer konnten die notwendigen Investitionen nach der Ausbildung über die bestehenden Kreditkanäle (Mara Panga-Gruppen, Mikrofinanzinstitutionen) finanzieren.

Die Mittel werden verwendet für den Ankauf von landwirtschaftlichen Geräten, Saatgut, Nähmaschinen, Webstühlen, Ladenmobiliar, technischem Material für die Wartung von Solaranlagen, Mopeds, Handys u.ä.

Für die Kreditvergabe war in jeder Gemeinde ein Komitee zuständig, bestehend aus Vertreter der lokalen Arbeitsgruppen, den Projektvermittlern, der Gemeinde und der lokalen Vertretung der Mikrofinanzbank.

Insgesamt hatten sich 153 Personen für einen Sachkredit beworben.

Über die Hälfte der geförderten Kleinunternehmer konnte aufgrund der Ausbildung und der Kreditmöglichkeit nach der Ausbildung ihre Einkommenslage verbessern.

Im zweiten Projektjahre konnten über 7000 Personen erreicht werden, davon über 6000 Frauen. Seit dem Start des Projekts 2018 wurden bis Ende 2019 700 zusätzliche Arbeitsstellen geschaffen.



Porträts


Dembélé Tenoko


Ich heisse Dembélé Tenoko und wohne im Dorf Moundasso. Ich bin 64 Jahre alt und habe zehn Kinder.

Als Webertochter habe ich schon in meiner Kindheit zu weben und sticken gelernt. Da ich nie zur Schule ging und keine Berufsbildung hatte, machte ich die Weberei und Stickerei zu meinem Beruf.

Gemeinsam mit meinem Mann stelle ich Stoffe nach traditioneller Art her, und verkaufe diese anschliessend.

Leider ist mein Mann seit ein paar Jahren durch eine Krankheit arbeitsunfähig und ich bin alleine für das Geschäft und den Haushalt verantwortlich. Durch die reduzierte Produktion und die hohen Gesundheitskosten meines Mannes bin ich immer mehr unter finanziellen Druck geraten.

Glücklicherweise habe ich dann von den Mara Panga Gruppen gehört, in denen Frauen wie ich gemeinsam sparen und Kleinstkredite vergeben können. Unsere Gruppe besteht aus 30 Frauen, und ich konnte bereits Darlehen zwischen FCFA 5 000 (CHF 8.50) und FCFA 10 000 (CHF 17) aufnehmen.

Dank den Mikrokrediten konnte ich Rohmaterialien für mein Webereigeschäft einkaufen, ohne abwarten zu müssen, dass ich alle gefertigten Stoffe zuerst verkaufe.

So ist meine Produktion gestiegen und regelmässiger geworden. Mit meinem Gewinn kann ich mich nun besser um die Grundbedürfnisse meiner Familie kümmern und mein Geschäft erweitern.

Ich hoffe, mit meinem Ersparten bald ein motorisiertes Transportmittel anzuschaffen, um meine Produkte in einem grösseren Gebiet anbieten zu können.

Nebst den finanziellen Vorteilen, die mir die Mitgliedschaft in einer Mara Panga Gruppe bringen, schätze ich auch sehr den Zusammenhalt in meiner Gruppe.

Wir unterstützen uns gegenseitig und es herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Es ist schön, wenn man sich gegenseitig motiviert, und der Austausch mit den anderen Frauen hilft mir, mit meinem Beruf weiterzukommen.



Kambiré Bourogbara


Ich bin 45 Jahre alt und wohne im Dorf Bonko, wo ich seit 2018 eine Baumschule mit Moringapflanzen betreibe.

Bevor ich von den Ausbildungsmöglichkeiten des Projektes hörte, war ich Hausfrau. Ich hatte weder Schul- noch berufliche Bildung und habe nie ein Einkommen erwirtschaftet.

Als Witwe mit zwei Kindern musste ich mich darauf konzentrieren, meine Kinder zu ernähren und den Haushalt zu machen.

Meine Baumschule war nicht rentabel und reichte knapp für den Eigengebrauch, und ich hatte mit Pflanzenverlusten und Insektenplagen zu kämpfen.

Dank den praktischen Ausbildungen, die in der Gemeinde Gaoua durchgeführt wurden, habe ich wichtige Kompetenzen zur Kultivierung und zum Unterhalt von Moringa-Pflanzen erlernt, wie auch Herstellungstechniken für ein Biopestizid.

Vor einem Jahr konnte ich kaum genug für unseren Eigenkonsum produzieren, doch nun ist meine Produktion ausreichend, um diverse Wiederverkaufs-Händlerinnen zu beliefern.

Ich habe anschliessend auch von Trainings im Gemüseanbau profitiert, die es mir erlauben, meine Einkommensquelle zu diversifizieren.

Nun baue ich selbst verschiedene Gemüsesorten an, und verkaufe sie auf dem Dorfmarkt. Ich glaube fest an meine Baumschule, und bin entschlossen, weiterhin meine neu erlernten Fähigkeiten anzuwenden.

So wird mein Geschäft stetig wachsen, und ich kann meinen Kindern ein besseres Leben ermöglichen.



Tanga Gerard Kabore


Mein Name ist Tanga Gérard Kabore, ich bin 30 Jahre alt und komme aus der Gemeinde Sabou. Seit vier Jahren wasche ich Motorräder. Ich bin weder zur Schule gegangen noch habe ich eine Berufsausbildung gemacht.

Das Waschen von Motorrädern habe ich von meinem Onkel gelernt. Nach einem Jahr als Lernender beschloss ich, mich selbständig zu machen. Meine erste Motorradwaschmaschine erwarb ich durch Mietkauf, weil ich keine Ersparnisse hatte. Meinen Lebensunterhalt zu bestreiten war eine tägliche Herausforderung wegen meines sehr tiefen und unregelmässigen Einkommens.

Als ich 2019 erstmals von den Ausbildungen für Kleinunternehmer hörte, die das Projekt zur lokalen Wirtschaftsförderung bietet, beschloss ich, mich zu bewerben.

Ich wurde ausgewählt und konnte über einen Zeitraum von drei Wochen an Schulungen teilnehmen, die mir wichtige Fähigkeiten für die Führung meines Unternehmens vermittelten.

Nach der Ausbildung begann ich sofort, mein neues Wissen anzuwenden. Nach einigen Wochen hatte ich bereits mehr Kunden. Ich eröffnete ein Sparkonto. Nach fünf Monaten kaufte ich mir mit den Ersparnissen eine neue Maschine und vermietete die alte, was mir ein zusätzliches und festes Einkommen einbringt.

Derzeit, neun Monate nach der Ausbildung, bin ich finanziell unabhängig und kann sogar meine Eltern von Zeit zu Zeit unterstützen. Mein erhöhtes Einkommen erlaubte es mir sogar, einen Mitarbeiter einzustellen.

Ich habe die Hoffnung wiedergewonnen und glaube jetzt an die Zukunft: Ich plane, bis Ende des Jahres eine neue Maschine zu kaufen und mein Geschäft zu erweitern. Ich treffe immer noch auf Herausforderungen, aber jetzt habe ich die Ressourcen, um sie zu überwinden.

Ich kann auch jederzeit auf die Unterstützung der Beraterinnen und Berater zählen. Sie sehen oft nach mir und helfen mir mit konkreten Lösungen, wenn ich auf eine Schwierigkeit stosse.



Ido G. Justin


Mein Name ist Ido Gninakoa Justin, ich bin 33 Jahre alt und wohne in Koudougou. Kunst ist meine grösste Leidenschaft, und ich konnte in einem Kunstatelier das Bronzehandwerk, den Siebdruck und das Zeichnen erlernen.

Als ich mich mit der Kalligraphie selbständig machte, hatte ich Schwierigkeiten, Kundenaufträge zu erhalten. Daher habe ich weitere Kunstarten erlernt, um meinen Kunden verschiedene Produkte anbieten zu können.

Doch was mir noch immer fehlte, waren Kenntnisse über das Kleinunternehmertum und das Kreditmanagement.

Durch die Ausbildung und Begleitung, die ich in meiner Gemeinde erhalten habe, kann ich meine Produkte nun viel besser vermarkten, und bin auch im Umgang mit Kunden viel geübter.

Die Zahl meiner Kunden steigt stetig, und ich habe auch schon Anfragen von über 200 km weg erhalten.

Um meine Produkte rechtzeitig fertigzustellen, engagiere ich regelmässig drei Studenten der Universität Koudougou, die ich dann auch in der Kalligraphie und im Siebdruck ausbilde. Mein monatlicher Umsatz hat sich von FCFA 50 000 (CHF 85) auf FCFA 100 000 (CHF 170) verdoppelt.

Ich hoffe, einige junge Menschen ausbilden zu können, damit diese mein Atelier weiterführen und ich mich dem Bronzehandwerk zuwenden kann, das mich schon immer faszinierte.

In der Zukunft wünsche ich mir, eine Kunstschule zu eröffnen, in der von der Kunst begeisterte Menschen wie ich eine Ausbildung erhalten und mit ihrer Leidenschaft den Lebensunterhalt verdienen können.



Salifou Zongo


In der Gemeinde Sabou, in der Nähe des Busbahnhofs, lächelt Zongo Salifou; er weiß, dass er nun seine Arbeitsbedingungen verbessern kann.

Der 28-jährige Jungunternehmer, verheiratet, Vater von zwei Kindern, ist Friseur. Dank eines materiellen Kredits der Hirschmann Stiftung konnte er eine Solaranlage für seinen Herrenfriseursalon installieren.

In dieser Gegend, in der es häufig zu Stromausfällen und Pannen von Elektroinstallationen kommt und ganze Gebiete oft stunden- oder gar tagelang ohne Strom bleiben, ist diese Anschaffung ein großer Schritt zur Sicherung eines dauerhaften Arbeitsplatzes und Einkommens.

Im Januar 2019 kam Salifou in den Genuss eines "Jungunternehmer"-Programms der Gemeinde Sabou. Mit der Ausbildung, die er in Kleinunternehmertum und Kreditmanagement dank der Unterstützung von Vermittlern erhielt, war er in seiner Arbeit mit diesen Fähigkeiten besser organisiert. Aber sein Einkommen schwankte aufgrund der zahlreichen Stromausfälle immer sehr stark.

«Was ich während der Ausbildung gelernt habe, hat mir geholfen, meine Arbeit zu verbessern, vor allem im Bereich der Hygiene und der Qualität der Dienstleistungen. Dadurch konnte ich meine Kunden zufriedenstellen und ihre Loyalität erhöhen.

Aber wenn die Kunden sich nicht in meinem Salon frisieren lassen können, weil es keinen Strom gibt, verliere ich sie schliesslich – auch wenn sie meine Dienste schätzen.»

Als er im Dezember 2019 vom Konzept des materiellen Kredits, der von der Hirschmann Stiftung angeboten wurde, erfuhr, zögerte er nicht, und bewarb sich im Gemeindehaus von Sabou auf einen Kredit. Er erfüllte alle Grundkriterien und durfte dann vor eine Jury treten, um seine Tätigkeit vorzustellen.

Dabei sprach er auch über die Schwierigkeiten der Stromversorgung und nannte die Ausrüstung, die er zur Entwicklung seines Geschäfts erwerben möchte. Schliesslich wurde Salifou für einen Sachkredit ausgewählt und kam im Januar 2020 in den Besitz eines 250-Watt Solarpanels im Wert von FCFA 100 000 (CHF 167).

Die Bedingungen und Fristen des Darlehensvertrags wurden zwischen ihm und der Gemeinde im gegenseitigen Einvernehmen festgelegt. Salifou hat sich für eine monatliche Rückzahlung von FCFA 10 000 (CHF 16.70) entschieden, die zinslos an die Gemeinde Sabou erfolgt.

Schon drei Wochen nach der Installation des Solarpanels stellt Salifou eine Auswirkung auf seine Arbeit fest: «Ich habe immer mehr Kunden, da ich meine Dienste auch dann anbieten kann, wenn es in der Gegend keinen Strom gibt ... Ich arbeite auch weitgehend mit der Energie der Solarplatte, so dass ich mehr auf meiner Stromrechnung einspare.»

Die Tageseinnahmen von Salifou sind von FCFA 6 000 (CHF 10) auf FCFA 9 000 (CHF 15) gestiegen, und Salifou ist sehr zufrieden mit der Entwicklung seines Geschäfts. «Ich habe nicht das ganze Material bekommen, das ich wollte, aber schon mit dem Solarpanel steigt mein Einkommen nur noch. Ich weiß, dass ich Geld sparen und mich mehr ausstatten könnte.

Ich bin motiviert, mein Ausrüstungsdarlehen pünktlich zurückzuzahlen, weil ich weiß, dass dieses Geld anderen Jungunternehmern helfen wird, ihre Aktivitäten zu entwickeln. Die Zukunft gehört denen, die mit guten Ideen aufstehen, und ich danke Swisscontact und der Hirschmann-Stiftung, dass sie mir ermöglicht haben, meine Ideen zu verwirklichen".