Projektbericht 2012

Drittes Projektjahr

Im Spargruppen-Projekt der Hirschmann-Stiftung in Mali waren im dritten Projektjahr über 3000 Mitglieder in 134 Spargruppen aktiv.

Bintou Mariko, Brei und Hirsefladen Verkäuferin

Bintou ist eine 37-jährige Hausfrau im Viertel Medine Bougouni. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren 7 Kindern zusammen und ist die Hauptstütze der Familie. Sie verkauft seit 12 Jahren Hirsebrei und kann mit dem Nettoerlös vor allem für die Schulkosten der Kinder aufkommen.

Früher beteiligte sie sich an Wettgruppen (Tontine). Im Mai 2012 wechselte sie zur Spargruppe Danaya (Vertrauen). Sie fand, Sparen sei besser als Wetten. Ausserdem könne sie nun auf sehr einfache Weise einen Kredit aufnehmen, was ihr bisher in der Wettgruppe nicht möglich war.

Bintou erklärt, dass die hohen Hirsepreise während bestimmten Jahreszeiten das Hauptproblem für ihr Geschäft sind. Mit dem Kredit der Spargruppe kann sie Hirse kaufen, wenn die Preise günstig sind, dann die Hirse lagern und in ihrer Küche sukzessiv für die Zubereitung und den Verkauf von Fladen und Brei verwenden.

Bintou hat einen ersten Kredit im Wert von 5000 FCFA (9 CHF)in ihrer Gruppe aufgenommen. Damit und mit eigenen Mitteln hat sie einen 100 kg Hirsesack kaufen können. Sie verkauft etwa 7 kg Hirsebrei pro Tag. Sie gibt keine exakten Zahlen über ihr Einkommen, doch sie rechnete mit etwa 2000 FCFA (4 CHF) Gewinn pro Tag, nach Abzug der Kosten.

Innerhalb eines Monats konnte sie nun ihr Angebot erweitern, indem sie zum Brei noch zusätzlich Hirsefladen verkauft. Statt 7 kg pro Tag verkauft sie gegenwärtig 10 kg pro Tag, was einen täglichen Gewinn von 3000 FCFA (6 CHF) statt 2000 FCFA (4 CHF)einbringt. Durch die Erweiterung ihrer Aktivitäten konnte sie eine Stelle für ihre Tochter schaffen. Diese kümmert sich fortan um den Verkauf der Hirsefladen und erhält 15000 FCFA (28 CHF) pro Monat.

Bintou ist, was die Zukunft der Spargruppe betrifft, zuversichtlich. Sie hofft eines Tages einen grösseren Kredit aufnehmen zu können, um ein Lager zu bauen.

Boucari Diagayette, Ladenbesitzer und Verkäufer verschiedenen Waren

Boucari ist ein 40 Jähriger der Peulh Ethnie. Er ist Landwirt und Züchter. Er verkaufte ein paar seiner Tiere und zog nach Koumantou. Am Anfang baute er sich einen kleinen Tisch auf, um Nahrungsmittel zu verkaufen.

15 Mitglieder der Milchgenossenschaft Komantou entschieden sich 2010, eine Spar?und Kreditgruppe zu errichten. Boucari gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Anfangs entsprach der Wert seiner Waren knapp 50'000 FCFA (93 CHF), wie Boucari erklärt. Aufgrund des Warenwertes, bekam er einen ersten Kredit von 15'000 FCFA (28 CHF), den er mühelos zurückzahlte. Am Anfang des Zyklus nahm er Kredite in Höhe von 15'000 FCFA (28 CHF) bis zu 20'000 FCFA (37 CHF) auf. Jetzt sind es 40'000 FCFA (74 CHF). Boucari war es damit möglich, seinen kleinen Verkaufstisch in ein Ladenlokal an der Durchgangsstrasse (Route RN7) zu transferieren.

Heute ist die Gruppe im dritten Spar? und Leihzyklus. Herr Diagayete betreibt nun einen eigentlichen Quartierladen mit einem breiteren Angebot und einer Stammkundschaft. Neu verkauft er auch Treibstoffe. Er nimmt bei seiner Spargruppe Kredite in der Höhe von 150'000 bis zu 280'000 FCFA auf (280 bis 525 CHF), um sein Lager aufzustocken. Die Rückzahlung mit Zinsen an die Mitglieder der Spargruppe konnte er aufgrund des Geschäftsgangs mühelos zu tätigen.

Zum echten Unternehmer geworden, richtet sich Herr Diagayete nach den Wünschen seiner Kunden. Er nahm einen Kredit von 280'000 FCFA auf, um Zucker und Datteln zu kaufen. Beides wird während des Ramadans sehr nachgefragt.

Daouda Koné, Geflügelzüchter, Djambala Bezirk Bougouni

Vor 47 Jahren in Djambala geboren, ist Daouda Koné Vater von zwei Buben und einem Mädchen. Herr Koné ist Landwirt und betreibt Geflügelzucht. Er hat erst kürzlich Lesen und Schreiben gelernt. Er ist Mitglied der Genossenschaft der Geflügelzüchter von Djambala, gegründet 2009, die auch als Spargruppe fungiert.

Die Gründung der Gruppe hat ihm ermöglicht, zu jedem Zeitpunkt Kredite zu erhalten. Er nutzte die Gelegenheit, um regelmässig Kredite aufzunehmen, Tierarzneimittel zu kaufen und eine neue Tätigkeit zu beginnen: Geflügel impfen.

Er verwirklichte damit seinen Traum: seine eigene Tiere zu impfen ohne ein einziges zu verkaufen, und die Impfung und Behandlung von Dritthühner anzubieten. Die Fähigkeit, Geflügel fachgerecht zu impfen, hat er sich in verschiedenen Ausbildungen erworben. Daouda erklärt, dass es ihm nur dank des Kredits seiner Spargruppe möglich war, die Bedürfnisse seiner Kundschaft regelmässig zu erfüllen. Er erklärt, dass er sich rasch einen guten Ruf aufbauen konnte, weil er Geflügelimpfstoffe in genügender Menge regelmässig beziehen und die Nachfrage der Geflügelzüchter so zeitgerecht und verlässlich befriedigen konnte.

Für die laufende Impf-Kampagne, hat er drei Kredite aufgenommen (zwischen Mai und August 2012): 2000 FCFA (4 CHF), dann 7000 FCFA (13 CHF)und schliesslich 3000 FCFA (6 CHF). Diese Kredite haben ihm erlaubt, die benötigten Impfstoffe für bis zu 300 Tiere zu kaufen, um seine eigenen Hühner sowie diejenige von andern Geflügelzüchtern in Djambala und in den umliegenden Dörfern zu behandeln. In dieser Zeit gelang es ihm, wie er bestätigt, 13'000 FCFA (24 CHF) Gewinn zu erzielen, nach Abzug aller Kosten.

In Zukunft möchte er eine Geflügelfarm bauen, um sein Geschäft weiter zu entwickeln.

N'Gonfilako von Kolondiéba: Vom Verein zur Spargruppe.

Der Verein Denbagnuman (Gute Mutter) ist eine Frauenorganisation, die 2005 gegründet wurde. Er besteht aus insgesamt 60 Bäuerinnen, die alle im Gemüseanbau und Kleinhandel tätig sind. Der Verein unterstützt wirtschaftlichen Aktivitäten wie Seifenherstellung und ? Färbung. Erfolglos hat er versucht, bei lokalen Finanzinstitutionen, wie Kafo Jiginew und Soro Yiriwaso, Kleinkredite zu erhalten. Der Verein erfüllte aber die angeforderten Bedingungen nicht.

Die Spargruppe N'Gonfilako (Die gleiche Generation)ist ein Ableger des Vereins Denbagnuman und vereinigt seit 2010 30 Frauen. Die Gründerinnen haben den Kontakt zu einem Gruppen-Begleiter im Nachbardorf gesucht und haben dessen Reisekosten und Entschädigung übernommen.
Die Ausbildung der Gruppe dauert sechs Wochen. Während ihrer wöchentlichen Treffen haben die Frauen die sechs Module sorgfältig durchgenommen. Nämlich: (1) Mitglieder?Auswahl (2) Gruppenbildung und ? führung (3) Gruppen?Spar? und ?Kreditvergabe (4) Erstellung der Statuten (5) Buchführung und (6) Einführung in Geschäftsführung.

Danach fing die Gruppe unter Anleitung des Gruppen-Begleiters mit dem Spar? und Kreditprozess an. Innert fünf Monaten sammelte sich im Gruppenfonds der stolze Betrag von 150 000FCFA (280 CHF) an. Die Mitglieder entschlossen sich, einen Ihrer Träume zu verwirklichen und das Geld in die Herstellung von handgemachter Seife zu investieren. Hierzu teilten sie den Fonds in zwei gleiche Teile auf: die eine Hälfte (75 000 FCFA / 140 CHF)wurde für die Herstellung der Seife verwendet und die andere Hälfte wurde den Mitglieder vorbehalten in Form von Einzelkrediten verliehen.

Wie sie auf dem Markt beobachtet hatten, stammten 50% der verkauften Seifen von ausserhalb, aus Bougouni. Die lokale Nachfrage überstieg also das lokale Angebot. Durch die lokale eigene Seifenherstellung ergaben sich vor Ort Arbeitsplätze und Einkommen für jedes Gruppenitglied.

Für den Verkauf hat sich die Gruppe folgende Strategie ausgedacht: die produzierte Seifenmenge wird in zwei gleiche Teile aufgeteilt. Der eine Teil wird für 85 FCFA (0,14 CHF) an Grosshändler verkauft; der andere wird den Gruppenmitgliedern für 75 FCFA /Stück (0,14 CHF) verkauft, die die Seife danach auf dem Markt von Kolondiéba und Umgebung für 100 FCFA / Stück (0,18 CHF)wiederverkaufen.

In den ersten zwei Monaten hat die Gruppe etwa 900 Stück Seife produziert. Der erzielte Gewinn belief sich auf 11 250 FCFA (21 CHF). Heute kann die Produktion bis zu 600 Stück Seife pro Monat erreichen.

Die Gruppe hat sich vorgenommen, mit dem Kauf zweier Solartrocknern aus Mitteln der Spargruppe in die Lagerung und Trocknung von Nahrungsmitteln einzusteigen. Das in der Regenzeit im Übermass vorhandene - und daher extrem billige - Angebot von Früchten und Gemüse, soll so für die Trockenzeit lagerfähig gemacht werden. Dann ist das Angebot sehr knapp und die Preise sind hoch.

Korotoumou Koné, Gewürzverkäuferin auf dem Markt

Korotoumou ist fünfzigjährig und lebt mit ihrem Mann und ihren sieben Kinder in einer Grossfamilie von über 25 Personen. Die Schule hat sie nur bis Abschluss der Primarschule besucht. Um sich an den Kosten ihrer Familie zu beteiligen, verkauft sie seit über acht Jahren Grundnahrungsmittel, insbesondere Gewürze.

Die Geschichte Korotoumou’s ist eng mit derjenigen ihrer Gruppe verbunden. Korotoumou wurde aufgrund ihrer Bildung Sekretärin des Verbandes der Gemüsebauerinnen von Kolondiéba. Als sie von dem neuen Projekten hörte, versuchte sie mit den Verantwortlichen in Kontakt zu treten. Dank ihrem persönlichen Einsatz und Willen, die traditionelle Wettgruppe in eine „Wasa? Gruppe“ umzuwandeln, wurde ihre Gruppe kreiert. Kouroutoumou wurde Sekretärin der Gruppe.

Korotoumou erzählt, dass sie von ihrer Nachbarin auf dem Markt von Kolondiéba vom Wasa Projekt gehört hat und deshalb tat sie alles, um die Projektverantwortlichen in Kolondiéba zu treffen. Für sie ist das Konzept sehr attraktiv. Es bietet den Gruppemitgliedern die Gelegenheit, unabhängig zu werden, „mit den eigenen Flügeln zu fliegen“. Sie räumt jedoch ein, dass die gewährten Kredite am Anfang sehr niedrig waren. Allerdings beeinträchtigte dies aus ihrer Sicht in keiner Weise die Qualität des Konzeptes.

Zuerst habe sie nur einen Betrag von 2500 FCFA (5 CHF)erhalten. Aber die Situation hat sich zunehmend verbessert, da der letzte erhaltene Betrag, am Ende des ersten Zyklus, 62 500FCFA (117 CHF) betrug. Sie sagt, dass Sie ihren ersten großen Kredit, 20 000FCFA (37 CHF), im Juni 2011 bekommen hat. Sie benutzte das Geld, um eine Sack Kartoffeln (22 500FCFA / 42 CHF) und einen Sack Gewürz (10 000FCFA / 19 CHF) zu kaufen. Sie verkaufte den Kartoffelsack für 30 000FCFA (56 CHF) und den Gewürzsack für 13 000FCFA (24 CHF). So erzielte sie einen Gewinn von 10 500FCFA (20 CHF). Zwei Monate später erhielt sie ihren zweiten Kredit(15 000FCFA / 28 CHF), den sie verwendete, um 2 Säcke à 50kg für 250FCFA/kg (0,45 CHF) zu kaufe. Diese wiederum, verkaufte sie für 300FCFA/kg (0.55 CHF). Auf diesem Weg konnte sie, dank des Einkaufs en gros, nach und nach ihre Produktpalette erweitern.

Gegenwärtig orientiert sie sich in Richtung Verkauf von getrocknetem Meerfisch. Sie kauft einen Karton mit 100kg Fisch für nur 800FCFA/kg (1,5 CHF) auf dem Markt vom Kolondiéba. Wie sie erklärt, ist dies nur dank dem Gruppenfonds möglich geworden.

Korotoumou spürt, wie sich ihre Situation seit Erhalt des ersten Kredits verbessert hat. Dank den Krediten kann sie nun eine vielfältige Produktpalette führen.

Korotoumou ist zuversichtlich, was die Zukunft Ihrer Gruppe betrifft. Denn nach der ersten Erfahrung hat die Gruppe beschlossen, die individuellen Beiträge zu erhöhen, und zwar von den 600 FCFA (1,10 CHF, während des ersten Zyklus, auf 1200FCFA (2 CHF) im zweiten Zyklus. Sie hofft, dass der Gruppenfonds eines Tages hoch genug sein wird, um Ihr grössere Kredite zu ermöglichen. Einer ihrer grössten Wünsche ist der Kauf von getrocknetem Meeresfisch in Senegal. Sie erklärt, dass der Preis pro kg Fisch in Senegal unter 400FCFA (0,75 CHF) liegt. Doch eins ist ihr bewusst: um diese Reise zu unternehmen braucht es viel Geld und sie setzt auf Wasa, um eines Tages ihren Traum zu verwirklichen.