Projektbericht 2013

Viertes Projektjahr

Im Jahr 2013 wurden 53 neue Spar- und Kreditgruppen in dreizehn neuen Dörfern mit 1176 Mitgliedern gebildet. Wie seit Beginn des Projektes engagierten sich überwiegend Frauen.

Der Mindestbeitrag pro Teilnehmerin beträgt 200 FCFA pro Monat, was 0.40 Schweizer Franken entspricht. Der maximale Monatsbeitrag pro Person ist auf 2000 FCFA (= 4 Schweizer Franken) begrenzt. Insgesamt hatten alle bisherigen und neuen Spargruppen mit über viertausend Mitgliedern Ende 2013 total 41.5 Mio. FCFA erspart und in gleicher Höhe Kredite gewährt, was ca 83'000 Schweizer Franken entspricht.

Parallel zu den vom Projekt initiierten Gruppen haben sich spontan, aus eigener Initiative der beteiligten Berufsleute, neue Spar- und Kreditgruppen gebildet. So zum Beispiel eine neue Fischergruppe mit dem Namen "Bafoulaben". Diese neue Gruppe hat sich selbständig - entsprechend den WASA-Projektgrundsätzen - organisiert, bis heute 5 Mio. FCFA angespart und diese Mittel in eine gemeinsame Fischzuchtanlage investiert.

Die Spar- und Kreditgruppe Kolomba in Bougoula

Bougoula ist ein Dorf der Gemeinde Zantiébougou im Kreis Bougouni in der Region Sikasso.Die Gruppe Kolomba setzt sich aus 21 Männer und Frauen zusammen.

Ihr Leiter Souleymane Koné, kurz Solo genannt, organisierte zwei Ausbildungstage. Behandelt wurden dabei folgenden Punkte: Beiträge, Zinssatz, Kreditdauer. Am Ende der Ausbildung beschloss die Gruppe einen Mindest-Beitrag pro Monat und Teilnehmer von 1000 FCFA, der Zinssatz wurde auf 10 % und die Kreditdauer auf einen Monat mit höchstens dreimaliger Verlängerung festgelegt.

Den Dorfbewohnern - auch der umliegenden Dörfer - bietet die Gruppe Feldarbeiten für 15'000 FCFA pro Tag an. Der Vorteil des Angebots besteht darin, dass es von den Kunden bei Bedarf kurzfristig abgerufen werden kann, die Kunden damit ihren Anbaukalender besser einhalten können und der Preis für beide Seiten stimmt. Die Einkünfte werden, entsprechend dem Beschluss der Gruppe, dem WASA-Sparkapital zugeführt.

Die Gruppe bildete innerhalb von einem Jahr ein Sparkapital von 950'000 FCFA. Im August 2012 beschloss sie diesen Betrag aufzuteilen. Bei der Aufteilung erhielt jedes Mitglied einen Ernteanteil von 46'000 FCFA. Die Gruppenmitglieder verwendeten das Geld für den Einkauf von Dünger sowie Ziegen und Schafe zur Aufzucht.

Seit Jahren stellt der Gemüseanbau eine der Haupteinnahmequellen der Bevölkerung des Dorfes Bougoula dar. Jedes Mitglied besitzt seine eigene Parzelle. Die Gruppe Kolomba reichte bei dem von der Schweiz geförderten Programme d’Appui à la Formation Professionnelle ein Gesuch zur Finanzierung einer Ausbildung in Gemüseanbau ein. Kolomba war eine der ersten WASA-Gruppen die im November 2013 von einer Ausbildung zum Thema „Anbautechniken und Produktion von Kompost“ profitierte. Die Gruppe bezahlte für die Ausbildung 370'000 FCFA.

Der Gemüseanbau ist eine vielversprechende Tätigkeit, die Arbeitsplätze schafft und Einkünfte generiert. Das Dorf verfügt über gute Böden und reichliche Wasservorkommen. Bisher wurde das Potential zu wenig genutzt, obwohl die Nachfrage vorhanden ist und der Kreis Bougouni Gemüse aus zum Teil weit entfernten Gebieten importiert.

Die Gruppe beschloss im Oktober 2013, die angesparten 650'000 FCFA bis zur nächsten Wintersaison nicht aufzuteilen. Sie hofft, dass der verfügbare Betrag bis dann noch höher sein wird und jedes Mitglied damit Saatgut und Dünger kaufen kann.

Während des Ramadan-Festes im Juli 2013 entschied die Gruppe, eine der ältesten Traditionen des Dorfes wieder zum Leben zu erwecken. Diese Tradition besteht darin, alljährlich „Fleisch für alle“ zu organisieren, indem ein Rind geschlachtet und das Fleisch der Bevölkerung verkauft wird.

Die Gruppe kaufte ein Rind für 118'000 FCFA und teilte es in 23 Teile. Die Teile wurden für 5'000 FCFA und die anderen Körperteile (Kopf, Darm, Füsse usw.) für 20'000 FCFA verkauft. Die Gruppe erzielte einen Gewinn von 15'000 FCFA.

Fanta Sangare, Strickerin im Dorf Sourougoula

Fanta Sangaré ist 32 Jahre alt. Sie wohnt mit ihrem Ehemann, einem Gemüsebauer, und ihren zwei Kindern in einer Grossfamilie im Dorf Kola. Um das Einkommen der Familie zu verbesseren strickt sie mit Nylongarn in verschiedenen Farben Taschen und verkauft diese. Ausserdem ist sie in den Dörfern der Umgebung als Impferin tätig.

Im März 2013, als sie im Dorf Djambala unterwegs war, traf sie eine WASA Spar- und Kreditgruppe "Jinisme", die ihre monatliche Sitzung abhielt. Sie entschloss sich in ihrem Dorf zwei Gruppen zu gründen. Sie absolvierte bei einem Ausbildner die sechs WASA-Trainingsmodule.

Vor der Gründung der WASA-Gruppe bereitete ihr die Finanzierung Schwierigkeiten. Sie kaufte das Garn auf Kredit in den Geschäften in Bougouni, was teurer war. Bargeld fehlte ihr meist, weil auch ihre Kunden die Taschen auf Kredit kauften und sie regelmässig während Monaten auf die Zahlung warten musste.

Nun konnte sie in ihrer Spar- und Kreditgruppe zu besseren Konditionen Kredit aufnehmen. Den ersten Kredit bekam sie im März 2013 über einen Betrag von 10'000 FCFA, den zweiten über 15'000 FCFA im Mai und den dritten und vierten über je 10'000 FCFA im Juli bzw. September. Sämtliche Kredite setzte sie für den Kauf von Garn ein. Für die Herstellung einer grossen Tasche benötigt sie drei Garnrollen, für eine kleinere braucht sie zwei Rollen. Eine Garnrolle kostet sie 1500 FCFA.

Heute kann sie dank der WASA-Kredite rund zehn Taschen pro Monat herstellen und verkaufen, zu Preisen zwischen 5'000 - und 10'000 FCFA je nach Grösse. Früher waren in derselben Zeit nur zwei bis vier möglich.

Fanta hatte nie Schwierigkeiten, ihre Kredite zu einem Zinssatz von 10 % der Gruppe zurückzuzahlen.

Sie begann inzwischen ihre Tätigkeit auszuweiten und mit pharmazeutischen Produkten und Geflügel zu handeln. Ohne die Spar- und Kreditgruppe wäre ihr dies nicht möglich. In der Zukunft möchte sie weitere junge Frauen für das Stricken von Taschen interessieren und eine Boutique in Bougouni eröffnen.

Kadiatou Kante, Handwerkerin in Guérékélé

Die 45-jährige Kadiatou Kante ist Witwe und Mutter von vier Jungen und zwei Mädchen. Keines ihrer Kinder geht zur Schule, weil das Geld fehlt. Kadiatou verlor ihren Ehemann vor zehn Jahren. Der älteste Sohn war gerade mal 14 Jahre alt. Sie stand völlig allein da. Es gab Zeiten, in denen sie und ihre Kinder tagelang nichts zu essen hatten.

Wie alle Frauen in ihrem Umfeld beschäftigt sich Kadiatou zur Hauptsache mit dem Getreideanbau und daneben mit die Stricken und Korbflechten.. Sie zögerte keine Sekunde der in ihrem Dorf neu gegründeten Spar- und Kreditgruppe beizutreten. Trotz ihrer prekären Lage ermöglichte ihr dieses System einen einfachen Zugang zu Krediten. Ihre ersten Kredite betrugen 2'500 FCFA. Mit diesem Geld konnte sie den Rohstoff für die Herstellung der Körbe einkaufen.

Mit dem ersten Kredit konnte sie in zwei Monaten sieben Körbe herstellen. Die sieben Körbe konnte sie gegen 100kg Hirse eintauschen. Das war für sie viel günstiger als Hirse in der Zwischenerntezeit für 22'000 FCFA pro 100 kg kaufen zu müssen.

Für sie ist klar, dass sie dank der WASA-Spar- und Kreditgruppe ihre Probleme zur Ernährung ihrer Kinder lösen konnte. Heute geht ihr Getreidevorrat nicht mehr aus. In Zukunft möchte sie auch überschüssigen Reis verkaufen.

Kadiatou ist überzeugt, dass die Spar- und Kreditgruppe für jedes Mitglied eine Chance und eine passende Lösung bieten kann, finanzielle Schwierigkeiten zu überwinden. Und sie sagt, dass WASA den Zusammenhalt der Gruppe und das Verständnis untereinander stärkt.

Mariam Cisse, Hebamme im Dorf Bougoula

Mariam stammt aus Mopti und absolvierte eine Ausbildung als Hebamme. Diese Tätigkeit übt sie als Leiterin des Geburtshauses des Dorfes Bougula aus und führt dort auch die Dorfapotheke. Seit der Gründung der WASA-Gruppe in Bougoula 2011 ist sie Mitglied. Sie hat sich mit ein paar Personen aus dem Dorf für WASA entschieden, weil ihr dieses Spar- und Kreditsystem unter den zahlreichen anderen Systemen in Mali am meisten zusagte.

Ihre Einkünfte erzielt sie aus dem Medikamentenverkauf. Einen Lohn des Dorfes für die Führung der Apotheke erhält sie nicht. Die Finanzierung des Medikamenteneinkaufs war für sie immer mit grossen Problemen verbunden. Der Lieferantenkredit des Centre de Santé in Zanntiébougou war sehr teuer und schwierig zu erhalten.

Seit Mariam Mitglied der WASA-Gruppe ist, hat sie für den Medikamenteneinkauf folgende Kredite aufgenommen und innert Frist der Gruppe mit den vereinbarten Zinsen wieder zurückbezahlt:

75'000 FCFA im Februar
100'000 FCFA im März
75'000 FCFA im Mai
150'000 FCFA im Juli
50'000 FCFA im August
50'000 FCFA im September
Einen Teil der Kredite setzte sie für eine Ausweitung des Angebots ein. So verkauft sie neu auch Milch und Wickelröcke. Dank der besseren Finanzierungsmöglichkeit kaufte Mariam die Medikamente neu in der Pharmacie Populaire du Mali in Bamako zu viel günstigeren Konditionen ein, was ihr vorher mangels eigener Mittel nicht möglich war.

Sie kann ihre Verkäufe laufend steigern, ein bedeutendes Medikamentenlager aufbauen und ihren Lebensunterhalt aus dem Betrieb der Apotheke bestreiten. Auch ihre Kunden aus dem Dorf profitieren, weil sie Medikamente im Dorf günstig kaufen können. Längerfristig möchte Mariam eine eigene private Apotheke aufbauen.

Zuwachs bei den Gruppenleitern

12 im Projekt neu ausgebildete Leiter haben bereits wiederum Spar- und Kreditgruppen gebildet. Die seit 2010 ausgebildeten Leiter erhalten ihren Lohn von 15'000 FCFA pro Jahr von der Gruppe ausbezahlt. Im Durschnitt betreut ein Gruppenbegleiter vier Gruppen und verdient somit 60'000 FCFA pro Jahr, was in Mali einem stattlichen Nebeneinkommen entspricht.

Neues Hilfsmittel

2013 wurde aufgrund der Erfahrungen der ersten drei Jahre im Projekt eine WASA-Broschüre entwickelt. Die bisherigen Gruppenleiter wirkten bei der Gestaltung unter Leitung von Swisscontact mit, damit die Broschüre möglichst den tatsächlichen Bedürfnissen gerecht werden kann. Sie soll als Hilfsmittel für die Gruppenleiter dienen. Mit Bildern und Text wird auf wenigen Seiten erklärt, wie eine Spar- und Kreditgruppe funktioniert.

Die Hoffnung geht dahin, mit diesem Hilfsmittel die Ausbildung der Gruppenleiter besser zu unterstützen und ausserdem die Gruppenmitglieder selbst zu informieren.

In einem ersten Schritt wurden100 Exemplare in Französischer Sprache gedruckt und an lesekundige Gruppenleiter verteilt.

Berufliche Aus- und Weiterbildung

Ein wichtiges Projektziel besteht darin, Synergien mit der von der Schweiz in der gleichen Region geförderten Berufsbildung aufzubauen. Bei den Teilnehmerinnen der Spar- und Kreditgruppen wurden daher die Bedürfnisse in der beruflichen Aus- und Weiterbildung identifiziert. 720 Teilnehmerinnen waren an einer beruflichen Aus- oder Weiterbildung interessiert. Im Vordergrund stehen die Bereiche Gemüsebau, Geflügelzucht, Reis- , Sesam- , Maisanbau, Viehzucht und Karité-Butter-Produktion.