Projektbericht 2015

Sechstes Projektjahr



Das Strick-Atelier von Frau Bibatou Koné

Frau Bibatou Koné ist 44 Jahre alt, Mutter von acht Kindern von denen sechs noch zur Schule gehen. Bibatou lernte von ihrer Schwester stricken und stellt heute Strickwaren her.

Früher war es für sie sehr schwierig, Wolle und Garn zu kaufen. 2011 besuchte sie einen WASA-Kurs und gründete dann mit andern Frauen aus ihrem Dorf Bafarani eine WASA-Gruppe. Seit die Gruppe besteht, hat Bibatou mehrmals einen Kredit zwischen umgerechnet CHF 16 und CHF 85 aufgenommen und damit Wolle und Garn eingekauft, um ihr Angebot an Strickwaren auszubauen. Sie bietet mittlerweile Zierdecken, Gardinen, Bettwäsche und Babykleider an und erzielt damit ein Einkommen für sich und ihre Familie.

Bibatou ist ausserdem Ausbildnerin für WASA-Gruppen, die sie für diese Aufgabe anstellen und entschädigen. Diesen Verdienst investiert sie in ihr Strickerei-Geschäft oder kauft Nahrungsmittel und Medikamente für ihre Kinder und bezahlt Schulgebühren.

Bibatous Ziel ist es, ein Strick-Atelier zu gründen, um Schulabgängerinnen ein Handwerk beizubringen. Zudem will sie eine Boutique eröffnen, in der sie Kurzwaren wie Wolle, Fäden, Nadeln und Knöpfe verkaufen möchte. Sie ist sehr optimistisch, dass ihr Traum von eigenen Laden schon bald Realität wird.

Die Schaf- und Ziegenhändlerin Frau Doussou Koné

Die 27-jährige Doussou Koné lebt mit ihrem Mann in einer 15-köpfigen Grossfamilie in der Region Koulikoro. Die Familie ist in der Landwirtschaft tätig und baut während der Regenzeit Reis an. Ausserdem betreibt Frau Koné die Aufzucht von Schafen und Ziegen. Allerdings fehlte ihr zunächst das notwendige Startkapital für die Tierzucht.

Sie trat dann 2013 der lokalen WASA-Gruppe in ihrem Dorf Bougoula bei. Seither hat sie schon einen Kredit bei der Gruppe aufgenommen und diesen pünktlich zurückbezahlt. Mit dem geliehenen Geld hat sie Schafe, Ziegen und Tierfutter gekauft.

Im Jahr 2015 hat sie an einer Ausbildungstagung des Swisscontact-Programms „Appui à la Formation Professionnelle“ zur Lammzucht teilgenommen. Doussou bereitet mittlerweile hochqualitative Tierfuttermischungen zu und pflegt ihre Tiere mit besonderer Sorgfalt. Ihre Tiere sind gesund, gut genährt und erzielen hohe Preise auf dem lokalen Markt.

Mit den Erträgen kann sie nebst gutem Futter auch die notwendigen Tiermedikamente kaufen. Zum Tabaski-Fest hatte sie einen Kredit von 200‘000 FCFA aufgenommen (CHF 335), um fünf Schafe zu kaufen, die sie auf dem lokalen Markt mit einem Gewinn von umgerechnet CHF 35 pro Tier wieder verkaufen konnte.

Frau Doussou Koné ist sehr zufrieden mit dem Erfolg der WASA-Gruppe. Die Spar- und Leihgruppe hat ihr Leben verändert und ihr ermöglicht, einer eigenen rentablen Beschäftigung nachzugehen. Sie kann nun ohne Probleme ihre laufenden Kredite abbezahlen und einen Anteil an die Familieneinnahmen beisteuern.

Sesam-Anbau der WASA-Gruppe Benkan im Dorf Souroukoula

Benkan war ursprünglich eine Vereinigung von Mais-, Baumwoll- und Erdnussbäuerinnen und -bauern. Die Gruppe versuchte über Jahre ein gemeinsames Spar- und Leihsystem aufzubauen und die beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten im Dorf zu stärken. Es fehlte aber an Knowhow und die Gruppe war nicht erfolgreich.

2013 nahmen Benkan-Mitglieder an einer Informationsveranstaltung über WASA-Spar- und Leihgruppen teil. Dieser Anlass wurde von GODEA FJ, der lokalen Partnerorganisation, durchgeführt und motivierte 29 Benkan-Mitglieder eine WASA-Gruppe zu gründen.

Neben den Spar- und Leihaktivitäten hat sich die Benkan-Gruppe auch in der Landwirtschaft weiterentwickelt. Um die trockene Erde der Region Kola ertragreicher zu bewirtschaften, hat die Gruppe eine Ausbildung zur Kultivierung von Sesam besucht. Warmes Klima ist für das Gedeihen der Ölpflanze grundlegend – die lockeren, entwässerten Böden Kolas eignen sich daher sehr gut für den Anbau von Sesam.

Der Kurs wurde vom Swisscontact-Programm „Appui à la Formation Professionnelle“ durchgeführt und vermittelte Anbautechniken, Kenntnisse verschiedener Sesamgewächse sowie Wissen zur korrekten Lagerung der geernteten Samen.

Um eigenständig Sesam anzubauen, nahmen die WASA-Mitglieder pro Person einen Kredit zwischen umgerechnet CHF 25 bis 35 auf. Damit konnten sie Werkzeuge und Pflüge mieten, Arbeitskräfte bezahlen und Schädlingsbekämpfungsmittel kaufen.

Die Gründung einer WASA-Gruppe und der Anbau von Sesam, erwies sich für Benkan als Erfolgsgeschichte: Die Sesamproduktion im Dorf konnte von 70kg pro Hektar auf 500kg pro Hektar gesteigert werden. Für die WASA-Mitglieder bedeutet das einen Ertrag von 344kg pro Hektar. Nach der Rückzahlung ihrer Kredite, blieb jeder Bäuerin und jedem Bauern ein Gewinn von durchschnittlich CHF 154.

Neben diesen individuellen Einnahmen, bewirtschaftete die Benkan-Gruppe auch ein gemeinsames Stück Land. Den gemeinsamen Gewinn von umgerechnet CHF 210, hat die Gruppe für den nächsten Spar- und Leihzyklus wieder in die Gruppenkasse einbezahlt. Um einen Mangel an Saatgut zu vermeiden, hat jedes Gruppenmitglied auf Anraten des WASA-Betreuers, 2kg Sesamsamen für die kommende Aussaat abgegeben.

Herr Saliya Doumbia, Viehzüchter und Viehhändler

Herr Saliya Doumbia ist Vater von acht Kindern. Er züchtet Rinder und verkauft sie auf dem regionalen Markt. Zusätzlich betreibt er Landwirtschaft zur Selbstversorgung der Familie.

Bevor Saliya Doumbia Mitglied einer WASA-Gruppe wurde, fehlte es ihm oft das Kapital, zum Ankauf von Rindern. Seit 2012 ist gehört er der WASA-Gruppe Fayida an, was ihm endlich einen kreditfinanzierten Rinderankauf ermöglicht. Damit konnte er sein Geschäft erheblich ausbauen.

Zwischen 2012 und 2015 hat Herr Doumbia mehrmals einen Kredit von seiner Gruppe zwischen 50‘000 und 100‘000 FCFA (CHF 85-170) erhalten. Er hat die Kredite immer pünktlich zurückbezahlt und wird daher von seiner Gruppe als vertrauenswürdiges Mitglied geschätzt. Die ersten drei Kredite erlaubten ihm den Grundstein für seinen Handel zu legen. Er konnte damit 2-3 Tiere pro Jahr kaufen. Nachdem er seine Kredite abbezahlt hatte, blieb ihm regelmässig ein schöner Gewinn.

Seit Gründung hat die Gruppe viermal das Sparguthaben inkl. Zinsen wieder an die Mitglieder verteilt. Dabei hat Saliya Doumbia jedes Mal umgerechnet ungefähr CHF 70 erhalten. Mit einem Teil dieses Geldes hat er einen Unterstand für seine Tiere gebaut und den Rest in seinen Handel reinvestiert.

Die Seifenproduzentinnen der WASA-Gruppe Siguida in Koumantou

21 Frauen aus dem Quartier Bafarani der Stadt Koumantou wandelten 2012 ihre bestehende Spargruppe Siguida in eine WASA-Gruppe um. Ziel war es, flexibler Kredite zu erhalten, um höhere Beträge investieren zu können.

Alle Frauen haben ihre eigenen Geschäfte, so ein Imbissrestaurant, einen Kleiderstand, einen Handel mit Strickwaren und Accessoires usw..

2014 begann die Gruppe in ein eigenes Projekt zu investieren: die Produktion von handgemachten Seifen. Die Frauen stellen jene zwei Seifensorten her, die im malischen Alltag am meisten gebraucht werden, eine Blockseife für die Körperpflege und das traditionelle Produkt „Kabakourouni“ – eine Haushaltsseife.

Die notwendigen Kenntnisse zur Seifenherstellung haben die Frauen in einem Kurs des Swisscontact-Programms „Appui à la Formation Professionnelle“ erworben. Es war ihr Ziel, mit dem Seifenhandel ihre Einkommensmöglichkeiten zu verbessern. Die Gruppe hat bisher elf Mal Seife hergestellt und insgesamt 976‘250 FCFA (ca. CHF 1‘650) investiert und mit der Produktion und dem Verkauf auf regionalen Märkten rund CHF 1000 verdient.

Die Gruppe will nun in die Produktion von Batik-Kleidern einzusteigen. In Koumantou sind Batikkleider en Vogue. Lokale Produzenten und Anbieter gibt es keine. Derzeit kommt alle Ware aus Bougouni und Sikasso. In der lokalen Produktion sehen die Frauen ihre Chance. Sie können auf die Wünsche ihrer Kundinnen, die sie kennen, besser eingehen und kostengünstig vor Ort produzieren.