Standortbestimmung 2012

Militärischer Konflikt in Mali

2012 entzündeten sich in Mali kriegerische Auseinandersetzungen nördlich des Nigers zwischen der Zentralregierung in Bamako einerseits und den Tuaregs und islamischen Gruppen anderseits. Im März 2012 kam es zu einem Militärputsch in Bamako. Französische Interventionstruppen sind in Mali zur Unterstützung der neu gebildeten Zentralregierung aktiv. Die politische Lage bleibt unklar.

Unser Partner in Mali, Swisscontact, hat die Hirschmann-Stiftung informiert, dass zwar eine Gefahrenlage besteht, diese sich aber primär auf den Norden Malis und Bamako beschränkt. Das Spargruppen-Projekt im Süden, in der Region Sikasso, ist kaum tangiert Die lokale Partnerorganisation GODEA-FJ aus Bougouni kann ihren Aufgaben mit konkreter Unterstützung der Spargruppenbegleiter durch Ausbildung, Rat und Evaluation weiter nachkommen.

Nach einer Lagebeurteilung hat sich die Hirschmann-Stiftung daher entschieden im Anschluss an die erste Projektphase (2010 - 2012) das Spargruppen-Projekt mit einer zweiten Projektphase zu ergänzen (2013 - 2015).

Zweite Projektphase 2013 - 2015

Ziel der zweiten Phase ist es, die 2010- 2012 gegründeten 134 Spargruppen von Handwerkern, Ladenbesitzerinnen und Bäuerinnen mit heute über 3000 Mitgliedern zu konsolidieren und schrittweise zur Selbständigkeit zu führen. Die Nachhaltigkeit ohne fremde Unterstützung soll angestrebt werden.

Die Hirschmann-Stiftung ist sich im Klaren, dass es sich um eine sehr anspruchsvolle Herausforderung handelt. Die grosse Nachfrage nach Spargruppen in der lokalen Bevölkerung und deren Vertrauen in die aufgebaute lokale Organisation der Spargruppen-Begleiter rechtfertigen indessen einen zusätzlichen Effort. Die Erreichung einer möglichst weitgehenden Selbständigkeit der Spargruppen erscheint nicht absolut unrealistisch.

Wichtige Erfahrungen

Eine Spargruppe hat durchschnittlich ca. 25 Mitglieder. Grössere Gruppen werden schnell ineffizient und sind nur noch schlecht in der Lage, ihren Zweck als Spargruppe zu erfüllen.

Die Gruppenbegleiter werden mit Mitteln des Projekts vor Ort ausgebildet, nachher aber von der Spargruppe, welche die Begleitung in Anspruch nehmen will, für ihre Tätigkeit entschädigt. Ein ausgebildeter Gruppenbegleiter kann im Durchschnitt vier Gruppen betreuen. Die Aufgabe ist durchaus begehrt, weil damit eine Verdienstmöglichkeit verbunden ist. Ausschlaggebend bleibt eine sorgfältige Evaluation anhand von Qualitätskiriterien.

Organisation

Die Gruppe trifft sich jeden Monat. Die Gruppenmitglieder zahlen bei Zusammenkünften 1 – 4 Franken ein. Gleichzeitig entscheiden sie, welchen Gruppenmitgliedern aus dem einbezahlten Geld ein Kredit gewährt wird, wann dieser der Gruppe zurückzuzahlen ist und wie hoch der Kreditzins ist. Die Gruppe muss darauf dringen, dass bezogene Kredite in wirtschaftliche Aktivitäten investiert und nicht für andere Zwecke wie Beerdigungen, Brautpreise oder Opferungen verausgabt werden. Die Kredite sollen die Einkommenslage der kleingewerblich aktiven Gruppenmitglieder verbessern. Nur das ermöglicht auch eine Rückzahlung des Kredites und der Zinsen an die Gruppenmitglieder, die ihr Geld einbezahlt haben. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Gruppen gegen 90% der Spargelder für wirtschaftliche Aktivitäten vergeben.

Buchführung

Ein Problem bleibt die selbständige Buchführung in der Gruppe. Die mangelhafte Ausbildung der Landbevölkerung in Lesen, Schreiben und Rechnen ist eine Barriere. Nicht jede Gruppe hat Mitglieder, die über die Fähigkeit verfügen, Einnahmen und Ausgaben in einem Heft zu notieren. In der Hälfte der Gruppen müssen die ausgebildeten Gruppenbegleiter diese Aufgabe übernehmen. Die Spargruppe darf nicht auf Dauer von ihrem Gruppenbegleiter abhängig sein. Hier besteht Handlungsbedarf im Sinne einer Entwicklung der notwendigen Fähigkeiten von Gruppenmitgliedern zur Beibehaltung der Spargruppe, auch ohne Gruppenbegleiter.

Verknüpfung mit der Berufsausbildung

Ein Ziel besteht nach wie vor darin, das Spargruppen-Projekt mit dem DEZA-Ausbildungsprojekt in der Region Sikasso zu verknüpfen. Die DEZA steckt erhebliche Bundesmittel in die Berufsausbildung. Entscheidend für den Erfolg dieser Anstrengungen ist indessen, dass die ausgebildeten Absolventen nach der Ausbildung ihren Beruf im Handwerk, im Detailhandel oder in der Landwirtschaft auch tatsächlich ausüben.

Hier sollen die Spargruppen zum Zuge kommen und jungen Leuten mit Berufsausbildung den Start vereinfachen, indem sie für die Übernahme oder Eröffnung eines Kleinbetriebs von der Gruppe, an der sich beteiligen und deren Vertrauen haben, Kredit erhalten können.

Das Propjekt steht hier noch am Anfang. Nur ca. 12% der Gruppenmitglieder hatten eine Berufsausbildung an den von der DEZA geförderten Berufsbildungszentren. In der zweiten Phase soll dieser Anteil ausgebaut werden.

Kontakt zu Microkreditbanken

Die Idee, die Spargruppen mit dem offiziellen Mikrokreditbanken-Sektor, den es auch in Mali gibt, in Verbindung zu bringen, muss – weil nicht realistisch - fallen gelassen werden. Einserseits fehlt der Landbevölkerung das Vertrauen in den Bankensektor, anderseits betrachten die existierenden Banken gewerbliche Kleinbetriebe nicht als ihre Kunden.

Schlussfolgerung

Die Hirschmann-Stiftung ist der Überzeugung, dass das Spargruppen-Projekt einen Beitrag zur Schaffung selbständiger kleingewerblicher Strukturen mit realistischen Aussichten auf eine Verbesserung der Einkommenssituation leisten kann.

Ausschlaggebend ist, dass einerseits die beteiligten Sparer den Mechanismus der Spargruppen selbst verstehen und beeinflussen können und zum andern Kleingewerbler und Bauern erkennen, dass sie mit eigener Anstrengung und dem Kredit der Gruppe, an der sie beteiligt sind, ihre Einkommenssituation aus eigener Kraft verbessern können.